Der beste Konflikt ist ein ausgeräumter und/oder überwundener Konflikt!

Warum Steuerberater als Mediatoren (Wirtschaftsmediatoren)?

Die Mediation liegt im Grenzbereich der Tätigkeitsfelder der rechts- und steuerberatenden sowie der psychosozialen Berufe. Sie ist keine rechtsberatende Tätigkeit im Sinne des Rechtberatungsgesetzes und damit nicht nur den Rechtsanwälten vorbehalten. Die vermittelnden Mediatoren/innen helfen und unterstützen den Streitenden eine einvernehmliche Lösung ihrer Probleme zu finden. Aufgabe der Mediatoren/innen ist es nicht, einen Schiedsspruch oder ein Urteil zu sprechen, vielmehr liegt es an den Konfliktparteien selbst, eine ihren Interessen entsprechende, optimale Problemlösung zu erarbeiten. Das Mediationsverfahren läuft sehr strukturiert nach bestimmten Phasen ab und setzt beim Mediator psychologische Grundkenntnisse im Umgang mit Konflikten und vor allem Fähigkeiten in der Gesprächs- und Verhandlungsführung voraus. Dafür sind verschiedenste Voraussetzungen in den Vor- und Ausbildungen erforderlich. Im Rahmen von Ehekonflikten und Scheidungsangelegenheiten sind besonders Psychologen, Erziehungs- und Sozialwissenschaftler gefordert und qualifiziert.

Im Rahmen von unternehmerischen Konfliktlösungen bieten Steuerberater ausgezeichnete Vermittlervoraussetzungen. Die Komplexität, Wandelbarkeit, Gestaltungs- und Wahlrechtsintensität des hiesigen und internationalen Steuerrechts führt dazu, dass Steuerberater für ihre Mandanten über das Steuerrecht hinaus, auch bei der Erfüllung von handelsrechtlichen Rechnungslegungspflichten, sowie im Bereich wirtschaftlicher Gestaltungen und Prüfungen für Ihre Mandanten tätig sind. Kein anderer Berater ist im Berufsalltag mit so vielen verschiedenen Interessen seiner Mandanten befasst wie der Steuerberater. Ferner sind Steuerberater im Praxisalltag mit vielen Konflikten, die sich bei Mandanten (z. B. in der Familie), im Gesellschafterkreis oder zwischen Mandanten und Dritten abspielen, befasst und im Rahmen der Beratung bei deren Beilegung gefordert. Der Mandant erwartet vom Steuerberater, dass dieser neben der Beratung auch seine Interessen gegenüber Dritten, z. B. Banken, Versicherungen usw. vertritt. Diese Aufgaben sind nur durch eine erfolgreiche Kommunikation mit den Verhandlungspartnern zu lösen. Im Mandantenkreis, z. B. unter Gesellschaftern und/oder Angehörigen, erwarten die Beteiligten, dass der Steuerberater als neutraler Sachverständiger zur Verfügung steht, um auftretende Konflikte zu lösen und die hierfür erforderlichen fachlichen Kenntnisse, und die aus seiner Berufstätigkeit gewonnenen Erfahrungen, einzubringen. Bei Betriebsübergaben an die junge Generation wird die Hilfe des Steuerberaters nicht nur bei betriebswirtschaftlichen und steuerrechtlichen Fragen gefordert. Er soll bei den oft sehr unterschiedlichen Vorstellungen über die Betriebsführung "schlichtend" zur Seite stehen. Der Steuerberater hat im Rahmen seiner Tätigkeit eine Reihe gesetzlicher Berufspflichten zu erfüllen, zu der auch die Gewissenhaftigkeit zählt. Diese erfordert die Entwicklung der Gesetzgebung, der Rechtssprechung und der Betriebswirtschaftslehre zu beachten. Damit ist, nicht zu Letzt aus Sicht der Berufsvertretung, eine ideale Voraussetzung für die Tätigkeit als Wirtschaftsmediator gegeben.

Vielfach wird aber der Steuerberater in Konfliktangelegenheiten im eigenen Mandantenkreis nicht als Mediator geeignet sein, weil er häufig als typischer Parteivertreter, nicht dem Vertrauensanspruch aller Konfliktparteien gerecht werden kann. In diesen Fällen wird er auf die Hilfe eines unabhängigen, unparteiischen Kollegen angewiesen sein.

Im Rahmen der Tätigkeit als Mediator ist der Steuerberater an die Vorschriften des Steuerberatungsgesetzes, Rechtsberatungsgesetzes und der Berufsordnung für Steuerberater gebunden und damit auf berufsübergreifende Mithilfe von Rechtanwälten, Psychologen und Sozialwissenschaftlern angewiesen. Das Berufsrecht verpflichtet den Steuerberater Aufträge abzulehnen für die er fachlich nicht qualifiziert ist. Für das Tätigwerden als Mediator bedeutet dies, dass ein Steuerberater eine Mediation lediglich dann leiten darf, wenn er eine fundierte und anerkannte Mediatorenausbildung absolviert hat.

Auf Initiative der Steuerberaterkammer Niedersachsen wurden im Herbst/Winter 2003 die ersten 16 Steuerberater/innen (davon 4 aus Oldenburg) als Mediatoren/innen ausgebildet. In 90 Stunden wurden die Kolleginnen und Kollegen in die Grundzüge der Mediation eingeführt.

Seit 2004 wird diese erfolgreiche Initiative von der Bundessteuerberaterkammer bundesweit fortgeführt um den ansteigenden Bedarf an fachkundigen Mediatoren personell gerecht zu werden.



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